Die Braut ging während der Hochzeit für ein paar Minuten auf die Toilette, doch vor der Tür hielt sie ein Reinigungskraft auf und sagte leise: „Dein Bräutigam hat etwas in dein Glas getan. Ich weiß nicht, was genau, aber trink nicht daraus.“

Die Braut ging während der Hochzeit für ein paar Minuten auf die Toilette, doch vor der Tür hielt sie ein Reinigungskraft auf und sagte leise:
„Dein Bräutigam hat etwas in dein Glas getan. Ich weiß nicht, was genau, aber trink nicht daraus.“

Die Braut glaubte seinen Worten. Als sie in den Saal zurückkehrte, tauschte sie unauffällig die Gläser – und dann geschah etwas, das alle in Entsetzen versetzte.

Nina schloss die Tür der Damentoilette hinter sich und erlaubte sich erst dann, stehen zu bleiben. Sie stand vor dem Spiegel und konnte kaum begreifen, dass sie nun eine Braut war.

Sie wusste, dass sie sich freuen sollte, doch innerlich war da nichts.

Hinter der Wand dröhnte die Musik. Der Toastmeister rief ins Mikrofon, die Gäste lachten, jemand klatschte. Ihr Vater hatte vermutlich schon mehr getrunken, als gut war. Er liebte Feiern – und heute ganz besonders. Doch Nina spürte nur Müdigkeit und eine seltsame Unruhe.

Sie richtete den Schleier und holte tief Luft, als sich die Tür leise öffnete. Im Türrahmen erschien der graue Kopf eines alten Mitarbeiters des Saals. Er hieß Michael. Er arbeitete seit vielen Jahren für ihre Familie.

— Mädchen, trink nicht aus deinem Glas, — sagte er leise, ohne den Blick zu heben. — Dein Bräutigam hat etwas hineingeschüttet. Weißes Pulver. Ich habe es aus dem Nebenraum gesehen.

Er sagte es hastig, als hätte er Angst, es sich anders zu überlegen, und schloss die Tür sofort wieder.

Aber wie konnte das sein?

Greg wirkte so verlässlich. Er war in ihr Leben getreten, nachdem ihr erster Mann vor zwei Jahren ums Leben gekommen war. Damals war alles plötzlich geschehen. Ein Unfall auf der Landstraße. Man sagte, die Bremsen hätten versagt.

Genau in dieser Zeit war Greg da gewesen. Ein Freund ihres Vaters. Selbstsicher, ruhig, geschäftsmäßig. Er hatte bei der Beerdigung geholfen, sich um die Papiere gekümmert, ihren Vater zu Ärzten gefahren, als dieser Herzprobleme bekam.

Der Vater war glücklich. Er sah in Greg einen zuverlässigen Menschen und einen zukünftigen Partner. Er sprach bereits von Geschäften und Positionen.

Doch jetzt gingen Ninas die Worte des Reinigungskraft nicht mehr aus dem Kopf.

Sie kehrte in den Saal zurück. Greg saß am Kopf des Tisches und erzählte laut etwas.

Vor ihnen standen zwei Gläser, mit Bändern zusammengebunden.

Nina setzte sich neben ihn. Greg beugte sich zu ihr und legte unter dem Tisch die Hand auf ihr Knie. Seine Berührung war hart und unangenehm.

— Wo warst du? — fragte er leise. — Der Toastmeister wartet schon. Gleich kommt der wichtigste Trinkspruch.

— Ich musste mein Kleid richten, — antwortete sie und bemühte sich, die Stimme ruhig zu halten.

Greg lächelte, doch sein Blick blieb kalt.

— Fertig? Dann reiß dich zusammen.

Die Musik wurde lauter. Der Toastmeister hob sein Glas. Greg wandte sich für einen Moment ab – und in diesem Augenblick tauschte Nina vorsichtig die Gläser.

Und dann geschah etwas, bei dem die Braut vor Entsetzen erstarrte …

Greg trank das Glas fast in einem Zug leer. Er lächelte noch, als er es auf den Tisch stellte, doch schon eine Minute später veränderte sich sein Gesicht. Das Lächeln verschwand, als hätte man es ausgelöscht. Er runzelte die Stirn, sah sich um und klammerte sich plötzlich an die Tischdecke.

— Mir ist nicht gut, — sagte er und versuchte aufzustehen.

Der Stuhl knarrte, Greg schwankte. Zuerst dachten die Gäste, er habe zu viel Alkohol getrunken, doch das Lachen verstummte schnell. Seine Hände zitterten immer stärker, sein Atem wurde stoßweise.

Nina saß neben ihm und rührte sich nicht.

Greg versuchte erneut aufzustehen, doch diesmal rutschte er einfach vom Stuhl und stürzte auf den Boden. Jemand schrie auf, andere sprangen von ihren Plätzen.

Während man den Notarzt rief, lag Greg auf dem Rücken und atmete schwer. Er war bei Bewusstsein und sah Nina an, als wolle er ihr etwas sagen.

Als die Ärzte eintrafen, brachten sie ihn fort. Im Saal blieben verstörte Gäste, ein weinender Vater und Nina zurück.

Erst nachts, im Krankenhaus, wurde alles klar.

Das Pulver war kein Gift. Es war ein starkes Schlafmittel mit einem Zusatz, der einen kurzfristigen Kontrollverlust und Verwirrtheit verursachte.

Greg hatte damit gerechnet, dass Nina direkt nach dem Trinkspruch kraftlos werden würde. Er wusste, dass sie kaum Alkohol trank und dass das Glas der Braut bis zum Boden geleert wurde.

Er brauchte weder Liebe noch eine Familie.

Das Geschäft ihres Vaters war so geregelt, dass Greg nach der Hochzeit Zeichnungsrecht und Zugriff auf die Konten erhielt. Noch am selben Abend wollte er Nina nach Hause bringen, behaupten, ihr sei vor Nervosität schlecht geworden, und

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