Die Eltern konnten nicht glauben, dass ihr völlig gesunder Sohn an einer unbekannten Krankheit gestorben sein sollte, und bestanden darauf, den Zinksarg zu öffnen. Was sie darin entdeckten, schockierte alle.
Gegen Mitternacht klingelte im Haus das Telefon. Der Vater nahm den Hörer ab.

— Guten Abend… entschuldigen Sie den späten Anruf, aber ich muss Ihnen etwas mitteilen.
Die Stimme war fremd und offiziell.
Der Vater runzelte die Stirn.
— Wer ist da?
Die Mutter spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, und hob den Kopf vom Kissen.
— Wer ruft an?
Der Vater hielt die Hand über den Hörer.
— Irgendein Militär…
— Sir, ich bin der Kommandeur Ihres Sohnes. Genauer gesagt… war ich sein Kommandeur.
Der Vater richtete sich abrupt auf.
— Was heißt „war“? Wo ist mein Sohn? Geben Sie ihn mir ans Telefon.
Am anderen Ende entstand eine kurze Pause.
— Sir… leider kann ich das nicht. Bitte nehmen Sie mein Beileid an.
Der Vater wurde blass.
— Was sagen Sie da?
Die Mutter sprang aus dem Bett.
— Was hat er gesagt? Was ist passiert?
Der Vater sagte scharf ins Telefon:
— Sie haben sich sicher geirrt. Wir haben erst gestern mit unserem Sohn gesprochen. Er war in der Kaserne und nicht auf irgendeiner Mission.
— Ja, Sir. Er war tatsächlich nicht auf einem Kampfeinsatz.
— Was ist dann passiert?
— Leider… wurde sein Leben nicht durch eine feindliche Kugel genommen, sondern durch eine gefährliche Infektion. Die Krankheit entwickelte sich sehr schnell.
Der Vater sprach lauter.
— Was für eine Infektion? Er ist ein völlig gesunder Junge!
Die Mutter stand bereits neben ihm und versuchte zuzuhören.
— In zwei Tagen wird der Körper zu Ihnen gebracht. Er wird sich in einem Zinksarg befinden. Die Infektion könnte ansteckend sein, deshalb ist es verboten, den Sarg zu öffnen. Bitte halten Sie sich an die Sicherheitsregeln.
Der Vater drückte den Hörer so fest, dass seine Finger weiß wurden.
— Sie lügen mich an.
— Sir…
— Nennen Sie mich nicht Sir! Ich will mit meinem Sohn sprechen!
— Das ist unmöglich.
— Dann komme ich zur Basis und finde ihn selbst!
Die Mutter weinte und zog ihn am Arm.
— Was ist passiert? Sag es mir!
Der Vater schrie fast ins Telefon.
— Es tut mir sehr leid…
Der Mann knallte den Hörer auf. Im Zimmer wurde es still. Die Mutter sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

— Was ist passiert?
Der Vater schwieg lange und sagte dann leise:
— Sie sagen… unser Sohn ist tot.
Die Mutter hielt sich die Hand vor den Mund und setzte sich auf das Bett.
— Nein… das kann nicht sein…
Zwei Tage später standen sie in der Leichenhalle. Auf einem Metalltisch stand ein schwerer Zinksarg. Der Mitarbeiter mit Maske trat nervös von einem Fuß auf den anderen.
— Ich muss Sie warnen, der Sarg darf nicht geöffnet werden. Das Militär hat eine offizielle Anordnung geschickt.
Die Mutter konnte den Blick nicht vom Sarg abwenden.
— Das ist nicht mein Sohn.
Der Mitarbeiter seufzte.
— Wie bitte?
— Ich fühle es… er ist es nicht.
Der Vater sah sie müde an.
— Uns wurde gesagt, dass der Körper darin ist.
Die Mutter trat näher.
— Nein. Er ist es nicht. Öffnen Sie den Sarg.
Der Mitarbeiter schüttelte den Kopf.
— Das kann ich nicht tun.
Der Vater sah ihn kalt an.
— Das ist unser Sohn. Wir haben das Recht, ihn zu sehen.
— Ich bekomme große Probleme.
— Und unser Sohn liegt in einem Sarg, — sagte der Vater leise. — Öffnen Sie ihn.
Der Mitarbeiter zögerte lange, seufzte schwer und nahm schließlich das Werkzeug. Das Metall knarrte. Die Verschlüsse gaben einer nach dem anderen nach.
Der Deckel hob sich langsam. Die Mutter blickte zuerst hinein. Nach einer Sekunde schrie sie auf.
Der Vater trat hastig vor. Und er sah…
Im Sarg lag tatsächlich ihr Sohn.
Aber sein Gesicht war voller Blutergüsse. Auf dem Wangenknochen war ein großer dunkler Fleck. Die Lippe war aufgeschlagen. Ein Arm lag in einem seltsamen Winkel, und selbst ohne medizinische Kenntnisse war klar, dass er gebrochen war.
Der Mitarbeiter sagte leise:
— Das… sieht nicht nach einer Infektion aus.
Der Vater wurde langsam blass.
— Er wurde zusammengeschlagen.
Die Mutter weinte und hielt sich am Tisch fest.
— Sie haben ihn getötet…

Einige Tage später wurde bekannt, dass es keine Infektion gegeben hatte. Auf der Basis war es zu einer Schlägerei gekommen. Der Sohn eines reichen Generals hatte ihren Sohn zu Tode geprügelt.
Die Armeeführung erfand schnell die Geschichte über eine „gefährliche Infektion“, um das Verbrechen zu vertuschen. Sie gingen davon aus, dass niemand jemals den Zinksarg öffnen würde.