Eine ältere Frau fütterte ein riesiges Krokodil in dem Glauben, etwas Gutes zu tun – doch was am nächsten Tag geschah, versetzte alle in Entsetzen.
Spät am Abend bemerkte die ältere Frau etwas Seltsames, als sie auf die Veranda trat, um den Müll hinauszubringen. Unter der Straßenlaterne, direkt bei den Stufen, lag ein gewaltiger dunkler Körper.

Zuerst dachte sie, sie hätte Halluzinationen: ein Schwanz, Schuppen, ein halb geöffnetes Maul mit glänzenden Zähnen. Ein Krokodil. Ein echtes. Das Tier atmete schwer und bewegte sich kaum.
Später würden die Nachbarn erzählen, dass es in der Nähe einen privaten Park für exotische Tiere gebe, aus dem nach Stürmen manchmal Tiere entkommen. Doch in diesem Moment dachte sie nicht daran. Die alte Frau sah das Krokodil an und verspürte keine Angst, sondern Mitleid.
„Das Arme ist bestimmt hungrig…“, flüsterte sie, als stünde vor ihr ein verirrter Hund.
Anstatt die Feuerwehr oder die Polizei zu rufen, ging sie ins Haus, nahm einen Eimer mit Essensresten von Halloween, legte noch Fleischstücke aus dem Kühlschrank dazu und ging vorsichtig wieder hinaus. Das Krokodil hob den Kopf. Mit zitternder Hand warf sie das Futter weit von sich weg.
Das Krokodil fraß gierig, ließ die Kiefer laut zuschnappen und drehte sich, nachdem es satt war, langsam um und kroch in die Dunkelheit davon, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Die Frau stand noch lange auf der Veranda und redete sich ein, dass nun alles vorbei sei.

In dieser Nacht schlief sie kaum, doch am Morgen, als sie keine Spuren sah, beschloss sie, dass es ein seltsames, aber gutes Erlebnis gewesen war. Sie empfand sogar ein wenig Stolz – nicht jeder könne einem solchen Wesen helfen und unversehrt davonkommen.
Doch am nächsten Tag geschah etwas Schreckliches …
Gegen Abend hörte sie merkwürdige Geräusche – ein schweres Rascheln, als würden Sandsäcke über den Weg geschleift. Dann noch eines. Und noch eines. Als sie aus dem Fenster sah, gefror ihr das Blut in den Adern. Vor ihrem Haus lag nicht mehr nur ein dunkler Körper. Es waren mehrere. Krokodile. Große und kleinere. Sie lagen an den Stufen, am Zaun, auf dem Rasen, als wüssten sie: Hier werden wir erwartet.
Das erste Krokodil lag vorne.
In diesem Moment verschwand jedes Mitleid. Echte, klebrige Angst ergriff sie. Die Frau schlug die Türen zu, verriegelte die Schlösser, zog die Vorhänge zu und wählte mit zitternden Fingern die Nummer der Polizei.
Weinend ins Telefon stammelte sie, dass bei ihr Krokodile seien, dass es viele seien und dass sie sich nicht einmal traue, in ein anderes Zimmer zu gehen.

Während sie auf Hilfe wartete, hörte sie draußen das Schlagen der Schwänze und das schwere Atmen. Die Krokodile gingen nicht weg. Sie warteten.
Erst nach einer Stunde trafen die Einsatzkräfte ein. Der Hof wurde abgesperrt, die Tiere betäubt und abtransportiert. Die Nachbarn sagten später, so etwas hätten sie noch nie erlebt, und es sei ein Wunder, dass sie lebend davongekommen sei.
Die Frau jedoch konnte sich noch lange eines nicht verzeihen:
Ein gutes Herz bedeutet nicht immer eine sichere Entscheidung.