Das Eisen war im Winter immer kälter. Es biss in meine Wangen an den Stellen, an denen Rost die alte Haut der Maske zerfressen hatte. Zwölf Jahre lang hatte ich nie mein eigenes Gesicht gesehen. Man nannte mich nur die Schande des Hauses.

Das Eisen war im Winter immer kälter. Es biss in meine Wangen an den Stellen, an denen Rost die alte Haut der Maske zerfressen hatte. Zwölf Jahre lang hatte ich nie mein eigenes Gesicht gesehen. Man nannte mich nur die Schande des Hauses.

An diesem Abend erstrahlte der Große Saal im Licht tausender Kerzen. Der Adel lachte, trank würzigen Wein und feierte die Erbverbindung. Der alte Graf war gestorben, und die Gräfin bereitete ihre Tochter, Lady Clara, darauf vor, den Familienring zu erhalten und endgültig die Kontrolle über das Gut zu übernehmen.

Man brachte mich aus den Räumen der Diener, um mich öffentlich zu demütigen.

— „Steh gerade, du dreckiges Wesen“, spuckte ein Wächter und schlug mir mit der Lanze in die Kniekehlen.

Ich stolperte, meine Ketten klirrten gegen das zerrissene elfenbeinfarbene Kleid. Die Gräfin, die am Ehrentisch in dunklem Purpur samt saß, lächelte kalt.

— „Lasst sie nicht fallen. Sie würde die Schönheit des Abends meiner Tochter ruinieren.“

Die Gäste brachen in Gelächter aus. Sie betrachteten die verrostete Eisenmaske, die meinen gesamten Kopf bedeckte. Nur zwei schmale Schlitze erlaubten mir zu sehen.

Ein Adliger fragte, warum ich diese Maske trage.

— „Das ist ein Kind der Sünde“, antwortete die Gräfin. „Die Maske verbirgt ihr verfluchtes Gesicht vor den Augen ehrbarer Menschen.“

Ich hielt den Blick gesenkt. Ich kannte weder meinen Namen noch meine Vergangenheit. Nur das Gewicht des Eisens und die Grausamkeit des Schlosses.

Dann betrat der alte Priester, Vater Alastair, den Saal mit heiligem Öl und einem Ring, der mit einem heulenden Wolf verziert war. Während er die Gäste segnete, blieb er vor mir stehen.

Sein Daumen berührte meinen Hals, dort, wo der Kragen der Maske leicht verrutscht war.

Plötzlich wurde er blass. Unter dem Kragen erschien ein rotes Mal in Form eines Wolfes. Die Öllampe fiel ihm aus der Hand und zerbrach auf dem Boden.

Der gesamte Saal erstarrte. Der Priester wich zurück, und das, was er mit zitternder Stimme sagte, schockierte alle.

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— „Dieses Mädchen … trägt das Blut der wahren Linie.“

Stille drückte sich wie ein eingefrorener Sturm auf den Großen Saal. Der Adel sah sich voller Angst an, und die Gräfin wurde im Kerzenlicht bleich.

— „Ihr redet Unsinn, Alter“, spuckte sie scharf. „Dieses Wesen ist nur eine verfluchte Bastardin.“

Doch Vater Alastair schüttelte langsam den Kopf.

— „Nein … ich würde dieses Mal unter tausenden erkennen. Der rote Wolf ist das heilige Siegel der ersten Linie des Grafen. Nur Kinder seines wahren Blutes tragen dieses Zeichen von Geburt an.“

Ein Raunen der Überraschung ging durch den Saal.

Lady Clara trat einen Schritt zurück und umklammerte fest den Familienring.

Der alte Priester trat näher an mich heran, seine Augen voller Emotionen.

— „Vor zwölf Jahren brachte die erste Frau des Grafen eine Tochter zur Welt, bevor sie bei einem mysteriösen Brand im Nordturm starb. In jener Nacht verschwand das Kind … und die Gräfin erklärte, das Baby sei tot.“

Mein Herz blieb fast stehen.

Bruchstückhafte Erinnerungen fluteten meinen Geist: ein Schlaflied … eine Frau mit goldenem Haar … eine Stimme, die meinen Namen aussprach.

Die Gräfin schrie plötzlich:

— „Wachen! Nehmt sie sofort fest!“

Doch kein Wächter bewegte sich.

Denn alle sahen bereits das Mal an meinem Hals … und hatten endlich die Wahrheit erkannt.

Das Mädchen, verborgen unter der Eisenmaske, war keine Schande.

Sie war die rechtmäßige Erbin des Anwesens.

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