Zum ersten Mal sah Maxim diesen Hund gegen zwei Uhr nachts.
Er wurde von einem seltsamen Geräusch geweckt.

Jemand kratzte langsam an der Eingangstür.
Maxim lebte allein in einem kleinen Haus am Rande des Dorfes. Die nächsten Nachbarn waren etwa zweihundert Meter entfernt, also waren nächtliche Besucher hier eine Seltenheit.
Er schaltete das Licht auf der Veranda ein und öffnete vorsichtig die Tür.
Auf den Stufen saß ein Hund.
Ein Deutscher Schäferhund.
Das Fell war nass und schmutzig, am Hals hing ein altes rotes Halsband. Der Hund atmete schwer, wirkte aber nicht aggressiv.
— Wo kommst du denn her?
Der Schäferhund sah Maxim an, stand auf und lief zum Tor.
Dort blieb er stehen.
Schaufe sich um.
Dann machte er noch ein paar Schritte und sah den Mann wieder an.
Maxim verstand: Es war, als würde der Hund ihn rufen.
Aber es war mitten in der Nacht.
— Nein, mein Freund. Morgen sehen wir weiter.
Er stellte eine Schüssel mit Wasser neben die Veranda und ging ins Haus zurück.
Ein paar Minuten später war der Hund verschwunden.
In der nächsten Nacht wiederholte sich alles.
Punkt 2:17 hörte Maxim wieder das Kratzen.
Vor der Tür saß derselbe Schäferhund.
Nur sah er jetzt noch schlimmer aus.
An einer der Vorderpfoten war Blut.
Maxim versuchte näherzukommen, um die Wunde zu untersuchen, aber der Hund wich zurück.
Er rannte wieder zum Tor.
Bleb stehen.
Sah ihn an.
Und winselte leise.
— Willst du, dass ich mitkomme?
Der Hund stellte sofort die Ohren auf.
Maxim machte ein paar Schritte, aber dann hielt er an.
Hinter dem Tor begann eine alte Waldstraße. Nachts gab es dort weder Beleuchtung noch Empfang.
Er beschloss wieder, kein Risiko einzugehen.
Am Morgen erzählte Maxim dem Nachbarn von dem seltsamen Hund.
— Vielleicht ist er weggelaufen, — zuckte der mit den Schultern. — Oder der Besitzer ist irgendwo in der Nähe.
Maxim stellte ein Foto des Schäferhunds in die lokale Gruppe, aber niemand erkannte ihn.
In der dritten Nacht erschien der Hund wieder.
Aber diesmal kratzte er nicht an der Tür.
Er lag auf der Veranda.
Als Maxim herauskam, erhob sich der Schäferhund mühsam.
Das rote Halsband war zerrissen.
Und auf dem Fell bemerkte Maxim etwas, das er zuvor nicht gesehen hatte.
Kleine Stücke getrockneter blauer Farbe.
Er holte den Verbandskasten, aber der Hund ließ sich die Pfote nicht behandeln.
Er machte sich wieder auf den Weg zum Tor.
Nur rannte er diesmal nicht.
Er ging langsam die Straße entlang und schaute sich ständig um.
Maxim sah auf die Uhr.
2:19.

Etwas sagte ihm, dass es vielleicht keine vierte Nacht geben würde.
Er zog eine Jacke an, nahm eine Taschenlampe und folgte ihm.
Der Schäferhund beschleunigte sofort seinen Schritt.
Sie gingen fast zwei Kilometer den Waldweg entlang.
Mehrmals wollte Maxim umkehren.
Aber jedes Mal kam der Hund zurück, berührte mit seiner Nase seine Hand und ging wieder voraus.
Nach zwanzig Minuten erreichten sie den verlassenen Teil einer alten Landstraße.
Und dort sah Maxim Reifenspuren.
Sie führten von der Straße direkt den überwucherten Hang hinunter.
Der Hund stürzte dorthin.
Maxim leuchtete mit der Taschenlampe.
Unten, zwischen den Bäumen, glänzte etwas.
Er stieg noch ein paar Meter hinab — und erstarrte.
Auf der Seite lag ein blaues Auto.
Der vordere Teil des Wagens war fast vollständig von Büschen verdeckt. Von der Straße aus war er nicht zu erkennen.
Genau in diesem Moment verstand Maxim, woher die blaue Farbe auf dem Fell des Hundes kam.
— Hallo! Ist da jemand?!
Stille.
Maxim näherte sich dem Auto.
Der Schäferhund begann wie wild an der hinteren Tür zu kratzen.
Die Scheibe war eingeschlagen.
Maxim leuchtete in den Innenraum — und ihm wurde kalt.
Auf dem Rücksitz lag eine Kinderdecke.
Und daneben ein kleiner Rucksack.
— Mein Gott…
Aus dem vorderen Teil des Autos war plötzlich ein kaum hörbares Geräusch zu vernehmen.
Maxim beugte sich näher.
— Helfen Sie mir…
Im Auto war ein Mann.
Er klemmte zwischen Sitz und Tür und konnte sich kaum bewegen.
Maxim rief sofort die Rettungskräfte.
Während sie unterwegs waren, versuchte er mit dem Verletzten zu sprechen, um ihn bei Bewusstsein zu halten.
— Wie lange sind Sie schon hier?
Der Mann öffnete mühsam die Augen.
— Ich weiß nicht… drei Tage.
Maxim sah den Hund an.
Drei Tage.
Genau drei Nächte war er zu seinem Haus gekommen.
Aber dann flüsterte der Mann:
— Ein Mädchen…
— Welches Mädchen?
— Meine Tochter… sie war bei mir.
Maxim drehte sich abrupt zum Rücksitz um.
Er war leer.
— Wo ist sie?
Der Mann antwortete kaum hörbar:
— Nach dem Unfall… hat der Hund sie aus dem Auto geführt.
Maxim stockte der Atem.
Er sah den Schäferhund an.
— Wo ist das Kind?
Der Hund schien die Frage verstanden zu haben.
Er raste los und rannte weiter den Hang hinunter.
Maxim stürzte hinterher.
Etwa hundert Meter weiter blieb der Schäferhund neben einem riesigen umgestürzten Baum stehen.
Unter den Wurzeln hatte sich eine kleine Vertiefung gebildet.
Maxim leuchtete hinein.
Zuerst sah er eine rote Kinderjacke.
Und dann ein Gesicht.
Ein kleines Mädchen lag zusammengerollt da.
Der Schäferhund schob sich zu ihr und begann ihr Gesicht zu lecken.
— Hey… hörst du mich?
Das Mädchen öffnete die Augen.
Sie lebte.
Als die Rettungskräfte eintrafen, stellte sich heraus, dass der Vater nach dem Unfall im Auto eingeklemmt worden war.
Seine achtjährige Tochter Lisa konnte durch das eingeschlagene Fenster klettern.
Aber sie konnte nicht weit gehen: Sie hatte sich das Bein schwer verstaucht.
Der Schäferhund hieß Alma.
Die ersten Stunden blieb sie bei ihnen.
Dann machte sie sich auf die Suche nach Hilfe.
Wie Alma fast zwei Kilometer vom Unfallort entfernt Maxims Haus gefunden hatte, konnte niemand genau erklären.
Aber das Erstaunlichste kam später heraus.
Ein Rettungshelfer fragte Maxim:
— Warum sind Sie überhaupt heute dem Hund gefolgt?
Maxim erzählte von den drei nächtlichen Besuchen.
Der Vater des Mädchens hörte zu und sah Alma lange an.
Dann sagte er leise:
— Das kann nicht sein.
— Was?
— Alma ist früher nie allein zu Menschen gegangen. Sie hat Angst vor ihnen.

Es stellte sich heraus, dass der Hund erst vor sieben Monaten aus dem Tierheim geholt worden war.
Zuvor hatte er mehrere Jahre bei einem Menschen gelebt, der ihn grausam behandelt hatte.
Alma hatte solche Angst vor Fremden, dass sie sich in den ersten Wochen sogar versteckte, wenn Besucher ins Haus kamen.
Aber in jener Nacht musste sie sich entscheiden.
Bei ihren Besitzern zu bleiben oder sich einem Menschen zu nähern, den sie nie zuvor gesehen hatte.
Sie entschied sich für das Zweite.
Ein paar Tage später kam Maxim ins Krankenhaus.
Lisa konnte schon im Bett sitzen.
Als sie ihn sah, fragte das Mädchen:
— Und wo ist Alma?
— Sie wartet zu Hause auf dich.
Lisa lächelte.
Und dann sagte sie:
— Papa hat immer gesagt, dass wir sie aus dem Tierheim gerettet haben.
Das Mädchen dachte einen Moment nach.
— Wahrscheinlich hat er sich geirrt.
— Warum?
Lisa sah Maxim an.
— Weil sie jetzt uns gerettet hat.
Einen Monat später wachte Maxim wieder nachts vom Kratzen an der Tür auf.
Er sah auf die Uhr.
2:17.
Er sprang aus dem Bett und rannte auf die Veranda.
Aber diesmal gab es keinen Grund zur Sorge.
Vor der Tür standen Lisa, ihr Vater und die völlig gesunde Alma.
Am Hals des Schäferhunds hing ein neues rotes Halsband.
Und daran befestigt war ein kleines metallenes Namensschild.
Darauf standen nur zwei Worte:
«Ich bin zurückgekehrt.»