Ich erlaubte meinem Sohn und seiner Frau, eine Zeit lang bei mir zu wohnen, aber nach einem halben Jahr war ich ihrer ständigen Regeln müde. Meine Geduld war endgültig zu Ende, als sie meinen Kater aus der Wohnung warfen.
Am Anfang schien alles normal. Mein Sohn ist sechsundzwanzig, seine Frau vierundzwanzig. Sie verliebten sich, heirateten, aber Geld für eine eigene Wohnung haben sie nicht. Von einer Hypothek wollen sie gar nichts hören – die Zinsen sind so hoch, dass man bis zur Rente zahlen würde. Ich selbst sagte: „Zieht zu mir. Die Wohnung ist groß, drei Zimmer. Spart in Ruhe, und dann seht ihr weiter.“

Ich dachte, ich handle richtig. Ich bin doch Mutter, ich muss helfen. Ich stellte mir vor, wir würden gemeinsam zu Abend essen, über Neuigkeiten sprechen, am Wochenende vielleicht Kuchen backen. Wie naiv ich war.
Marina betrat mein Haus mit selbstbewusstem Schritt, als würde sie mir mit ihrer Anwesenheit einen Gefallen tun. In den ersten Wochen verhielten sie sich ruhig, fast vorbildlich. Sie fragten, ob sie ein Handtuch nehmen dürften, schlossen die Türen vorsichtig.
Doch dann begann sich alles zu ändern.
Eines Tages komme ich von der Arbeit zurück – und die Küche wirkt fremd. Die Gewürzgläser, die zehn Jahre lang am selben Platz standen, sind verschwunden. Auf dem Tisch glänzt eine Kaffeemaschine.
— Lena, hast du die Zuckerdose gesehen? — frage ich.
— Ich habe alles umgestellt, — antwortet sie ruhig. — Es war chaotisch. Jetzt ist Ordnung. Alles nach Kategorien sortiert.
Ich schwieg. Dachte mir: Soll sie eben Hausfrau spielen.
Einen Monat später entschied sie, dass ich mich falsch ernähre. Im Kühlschrank standen ihre Behälter mit Samen und Grünzeug, und mein Topf mit Borschtsch stand ganz hinten in der Ecke.
— Nina Sergejewna, haben Sie wieder Wurst gekauft? — fragt sie, als hätte ich ein Verbrechen begangen. — Das ist ungesund. Wir haben beschlossen, darauf zu verzichten.
Ich stand in meiner eigenen Küche und hörte mir an, was ich essen dürfe.
Abends sprach ich mit meinem Sohn.
— Igor, ich mische mich nicht in eure Gewohnheiten ein. Esst, was ihr wollt. Aber entscheidet nicht für mich.
Er seufzte.
— Mama, sie bemüht sich. Sie will nur, dass es für alle besser ist. Hab noch etwas Geduld.
Ich hatte Geduld.
Bis es um das Badezimmer ging. Ich kam vom Landhaus zurück, öffne die Tür – und erkenne es nicht wieder. Mein bunter Duschvorhang war verschwunden. Stattdessen hing ein beiges Stück Stoff. Meine Shampoos waren in einer Schublade verstaut, auf dem Regal standen ihre Fläschchen wie in einer Vitrine.

Und meine weiche Badematte war weg.
— Wo ist die Matte? — frage ich.
— Ich habe sie entfernt. Darin sammelt sich Staub. Das ist unhygienisch, — antwortet Marina ruhig.
Es ging nicht um die Matte. Es ging darum, dass man mich allmählich aus meinem eigenen Zuhause strich.
— Stell alles wieder zurück, — sagte ich. — Und rühr nichts mehr ohne zu fragen an.
Sie war beleidigt. Am Abend kam mein Sohn, um es zu erklären.
— Du hast sie verletzt. Sie wollte es schön machen.
— Igor, „schön“ ist es, wenn man mich fragt.
Danach blieb ich immer häufiger länger auf der Arbeit. Ich wollte nicht dorthin zurück, wo man mich belehrte.
Und dann geschah das, was alles entschied. Ich habe einen Kater – Tischa. Alt, ruhig, er lebt seit zehn Jahren bei mir.
An diesem Abend kam ich nach Hause, und er kam mir nicht entgegen. Ich rufe – Stille.
Ich gehe ins Zimmer meines Sohnes.
— Wo ist der Kater?
Marina hebt nicht einmal den Kopf.
— Er hat mich gestört. Ich habe ihn auf den Balkon gesperrt.
Es war Dezember. Der Balkon war kalt. Ich öffnete die Tür. Tischa saß in der Ecke und zitterte.
In diesem Moment klickte etwas in mir. Ich verstand, dass es so nicht weitergehen konnte und dass ich zeigen musste, wer Herrin dieses Hauses ist.
— Packt eure Sachen, — sagte ich ruhig.
In dieser Nacht schlief ich nicht. Der Kater lag neben mir, warm, lebendig, und in meinem Kopf wurde alles glasklar. Mein Haus ist mein Haus.
Am Morgen gingen sie zur Arbeit. Ich rief einen Handwerker und ließ die Schlösser austauschen. Dann packte ich ihre Sachen zusammen. Die Kaffeemaschine stellte ich obendrauf, damit sie sie nicht vergessen.
Bevor sie zurückkamen, überwies ich meinem Sohn Geld – für den ersten Mietmonat und die Kaution. Genug für einen Anfang.
Am Abend klingelte das Telefon.
— Mama, die Tür geht nicht auf, — sagte er verwirrt.
— Ich weiß.
— Was bedeutet das?
— Das bedeutet, ihr seid erwachsen. Ich habe geholfen, so viel ich konnte. Jetzt seid ihr dran.
— Wirfst du uns raus?
— Nein. Ich gebe euch die Chance, getrennt zu leben. In meinem Haus wird mich niemand mehr belehren.

Er schwieg. Marina murmelte empört neben ihm.
— Man hätte doch reden können.
— Ich habe ein Jahr lang geredet.
Ein paar Minuten später hörte ich die Koffer im Treppenhaus rascheln.
Ich schloss die Tür, legte die Matte wieder an ihren Platz, schenkte mir Tee ein und fühlte zum ersten Mal seit Langem, dass ich wieder in meinem eigenen Zuhause lebe.