Meine Tochter rief mich nachts an und flehte: „Mama, mach bitte die Tür auf, mir ist so kalt.“ — Als ich das hörte, war ich entsetzt, denn meine Tochter war vor vier Jahren gestorben.

Meine Tochter rief mich nachts an und flehte: „Mama, mach bitte die Tür auf, mir ist so kalt.“ Als ich das hörte, war ich entsetzt — denn meine Tochter war vor vier Jahren gestorben.

Als ich in den Hof blickte, sah ich auf der Veranda etwas Seltsames.

Das Telefon klingelte kurz nach ein Uhr nachts, als das Haus längst in Stille versunken war. Die Mutter lag im Dunkeln und hörte, wie die alten Wanduhr mit dem Messingpendel, die sie noch von ihrer eigenen Mutter geerbt hatte, einen dumpfen Schlag zur vollen Stunde gab. Fast unmittelbar danach ertönte im Wohnzimmer das Klingeln des Telefons.

Langsam richtete sie sich im Bett auf und lauschte. In diesem Haus war ihr jedes Geräusch vertraut: das Knarren der Diele an der Schwelle, das leise Seufzen der Heizung, das kaum wahrnehmbare Rauschen des Windes draußen. Ihre Beine gehorchten ihr schlecht, besonders nachts, doch sie tastete dennoch nach den Hausschuhen, zog sich den Bademantel über und ging den dunklen Flur entlang zum Telefon.

Der Hörer war warm. Die Mutter drückte ihn ans Ohr und war auf alles gefasst — nur nicht auf das, was sie als Nächstes hörte.

— Mama, mach bitte die Tür auf. Mir ist sehr kalt.

Die Stimme war ihr bis ins Innerste vertraut. Die Betonung, mit der die Vokale am Ende der Sätze gedehnt wurden, die Art, leise zu sprechen, fast entschuldigend, als wolle sie nicht zur Last fallen. So sprach Anna. So hatte sie immer gesprochen.

Der Mutter schnürte es die Brust zu. Ihr Verstand erinnerte sie sofort daran, dass Anna seit vier Jahren tot war, dass sie nach einem schrecklichen Unfall aus dem Leben gerissen worden war. Die Mutter selbst hatte den Sargdeckel geschlossen und fuhr jede Woche auf den Friedhof.

Und jetzt rief sie an — aber wie?

— Ich bin auf der Veranda, — fuhr die Stimme fort. — Bitte, mach auf.

Die Mutter wusste selbst nicht, wie sie zur Haustür gelangt war. Sie schaltete das Licht auf der Veranda ein und presste ihr Auge an den Türspion. Vor der Tür sah sie etwas, das sie mit blankem Entsetzen erfüllte.

Der Hof war leer. Unter der Laterne lag nasser Asphalt, eine alte Bank zeichnete sich dunkel an der Wand ab — und sonst war niemand da.

— Anna, bist du es wirklich? — fragte sie mit zitternder Stimme, ohne den Blick vom Spion zu lösen.

Am anderen Ende der Leitung entstand für ein paar Sekunden Stille, dann ertönte ein fremdes, unsicheres Lachen.

— Nein … entschuldigen Sie. Ich bin nicht Anna. Ich heiße Emma. Ich habe mich wohl verwählt. Ich habe ein wenig getrunken und die Nummer verwechselt … Es tut mir leid.

Die Mutter legte langsam den Hörer auf und stand noch lange an der Tür, den Blick auf die Leere hinter dem Spion gerichtet, in dem Bewusstsein, dass das Schrecklichste in dieser Nacht nicht der Anruf gewesen war, sondern wie leicht ihr Herz daran geglaubt hatte.

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